Interview zur «Schweizer Luftverteidigung der Zukunft»

Die nächsten 30 Jahre

Die «Luftverteigung der Zukunft»,
wie sie die «Experten» und Kommandanten uns vorstellen.

Frage: Diesmal aber haben Bundesrätin Amherd, Parlament und Volk doch einen Expertenbericht erhalten, der auf ca 200 Seiten transparent darstellt, wie die Luftverteidigung der nächsten 30 Jahre aussieht ?? Der emeritierte Astronaut Nicollier hat für diese «Doctrine» sogar «Carte Blanche» erteilt ??
[
Bericht-Luftverteidigung-der-Zukunft-d.pdf (PDF, 200 Seiten, 4 MB)]

Ja: Zentral sind die Seiten 76-94, wo uns die «Experten» erklären und der Astronaut abwinkt, wie unsere Luftwaffe in den nächsten 30 Jahren die «Luftverteidigung» der Schweiz durchführen will, für die 3 Einsatz-Szenarien:

– Wahrung der Lufthoheit in der normalen Lage:  «Luftpolizeidienst»

– Wahrung der Lufthoheit im Falle von Spannungen:  «Verstärkter Luftpolizeidienst»

– Verteidigung des Landes, seiner Bevölkerung und der krtitischen Infrastruktur:
 «Luftkrieg»


Aber es hat schon früher sehr gute technische Expertenberichte für Beschaffungen gegeben, meist aus den Offiziersgesellschaften, erstellt durch Miliz-Offiziere, -Ingenieure und -Professoren. 1992 versuchte der Kdt der Flugwaffe selbst, uns die Notwendigkeit der neuesten 34 F/A-18 für seine «Flugwaffe» zu erklären. Diesmal ist es ein VBS-internes Team, unter Leitung eines ehemaligen Sanitätsgefreiten und einer ausländischen «Strategin».

Fassen wir daraus zusammen:

Das Haupt-Problem der alternden Flugwaffe im «Luftpolizeidienst»:
«Wie bringe ich ihn hoch, den Flieger ?»

Der Kdt der Flugwaffe hat uns Miliz-Bürgern und -Wehrmännern 1992 mit dem untenstehenden Bild versucht zu beweisen, warum er für den Luftpolizeidienst den modernsten Kampfjet mit dem modernsten Bordradar braucht:
Im Schulbeispiel für seine Kampfjetpiloten donnert ein feindlicher Jet, mit Ueberschall­geschwindigkeit von Norden über die Grenze Richtung Süden. Dabei ist er schon seit mindestens 5-10 Minuten auf dem Kontrollschirm der Florida Luftraumüberwachung, hat jede Freund-Feind-Erkennung und Funkkontakte unbeantwortet gelassen.

2 Abfang-Jäger stehen bereit im Alarm-Understand in Payerne («1 Flieger = kein Flieger», gilt auch hier!), rollen aufs Feld, mit laufenden Motoren, warten auf den «Décollage»-Befehl. Der Patrouillen Führer hat seinen Bordradar eingeschaltet, braust los, dreht in Richtung auf die Reflexion des Feindes auf seinem Radar-Empfänger. [Der technisch unbedarfte Kdt hat seinen Kampfjetpiloten nie erklärt, dass ihr «aktives» Radar-Signal, vom Feind in 100 km Distanz (möglichst schlecht) «passiv» reflektiert, – von diesem aber mehr als 100 mal stärker gesehen worden -, auch nicht so stark ist wie das direkte Signal, das ein feindliches AWACS-Leitflugzeug in 10’000 km Distanz von ihm empfängt.] «Blödsinn der «aktiven» Zieldetektion in der Verteidigung!»

Und jetzt fliegt der ausgebildete Kampfjetpilot entlang einer 120 km langen «Hundekurve», übers Bundeshaus, um dann endlich hinter der Jungfrau, nach 6 Minuten, den Feind «von Angesicht zu Angesicht zu identifizieren». Er kann, wie der Hund, nur wenig «vorhalten», sonst verliert er den Feind aus seinem Radar-Kegel, vor allem wenn dieser noch versuchen sollte, nach Süd-Osten auszuweichen. Würde er ohne Radar fliegen, wie die (viel langsamere) alte Mirage vom Florida geleitet, könnte er nach 75 km und ca 4.5 Minuten den Feind schon «treffen und abfangen». Aber wie dann?

[Wir haben auf der Karte des Kdt der Flugwaffe noch die «vergessenen» 6 Bloodhound-Stellungen eingezeichnet, die alle diesen Ueberflieger aus max 75 km und max 2 Minuten hätten abschiessen können.]

So einfach dieses ungestörte «Hochbringen» der Lenkwaffen am Flieger, – nur bei schönem Radar-Wetter(!) -, von Payerne aus gegen hochfliegende Feinde aus Norden sein kann, so schwieirig wird es von Emmen oder Meiringen gegen Anflieger von Nord-Osten oder Osten. Die tragischen Kollisionen mit einer Felswand, im unmittelbaren Umfeld des Heimflugplatzes, wirft nicht nur Fragen zur Führung solcher «Alarmeinsätze» auf, sondern auch zur Effizienz der offensichtlich veralteten Flight-Management-Systeme an Bord.

Die Vorfreude der jungen «Berufsmilitärkampfjetpilot[inn]en» auf den «Luftkriegseinsatz»:
«Die 3 Minuten sind um!  So, und jetzt machen wir das Gleiche noch einmal!»

An diesen alten Militärwitz musste ich denken, als ich zum ersten Mal diese zentralen, und daher doppelt «doofen Bildli» auf S.88 sah:
«La Doctrine der Defensiven Luftverteigung». Sie wurden mit so viel Lob von Frau Amherds Astronaut beurteilt und empfohlen und sollen die noch unbedarften «Berufsmilitärkampfjetpilotinnen» auf den coolen Luftkriegseinsatz «mental vorbereiten».

Vor 30 Jahren, als es noch eine Landwehr gab, treffen sich zwei alte RS-Kameraden im Landwehr WK. Der eine ist glücklich verheiratet mit Frau und 3 Kindern, der andere hat immer noch 3 Freundinnen und ist am «Evaluieren», so wie die Schweizer Armee damals mit dem neuen Kampfflugzeug: «Sag mir, was Deine besten 2 Freundinnen so machen.» «Die eine ist Telefonistin bei der GD der SBG (damals ein angesehener Beruf), die andere ist Lehrerin.» «Dann ist die Wahl aber ganz einfach: die Lehrerin. Denn die Telefonistin sagt ja immer: «Die 3 Minuten sind um!» Und die Lehrerin sagt: «So, und jetzt machen wir das Gleiche noch einmal!»».

Spass beiseite:
Der gute 3-minütige «Fun» mit der Freundin, aber auch der heldenhafte 3-minütige «Fun à la Richthofen» auf dem CAP-Glacis in der «Defensiven Luftverteidigung im offenen Konflikt», müssen wiederholt werden und enden auf die Dauer selten so mühelos und super-dominant wie die ersten 3 Minuten, vor allem wenn der andere mit solchen «Spielchen» nicht einverstanden ist und von vielen Beschützer[inne]n begleitet wird.

[Uebrigens mussten wir ca 1995 lernen, dass die «roten Flieger» viel bessere Raketen hatten, als wir im Westen meinten; auch in der Boden-Luft-Abwehr. Dies wird heute wahrscheinlich immer noch so sein, wie zB der Kauf solcher Waffensysteme durch die modernen Armeen der Türkei oder Indien andeuten.]

Die Treffererwartung Luft-Luft ist noch nicht besser geworden, sie ist immer noch weniger als 10% bei ausgeglichener Luftlage. Seit 1990 wurden ca 20’000 unserer Lenkwaffen von den Amerikanern hergestellt, in ihren verschiedenen Angriffs-Kriegen mitgeführt. [Und vor allem verkauft an ihre Bündnis-Partner.]

Für das Marketing wurde jeder Kriegs-Einsatz dokumentiert: nur 19 [!] Lenkwaffen konnten bis heute überhaupt abgefeuert werden, immer bei totaler Luftüberlegenheit und Zero Luftabwehr vom Boden. So schwierig ist die Zielbekämpfung, wenn man selber mit mehr als Mach 1 unterwegs ist, und der Gegner auch (automatisch) ausweichen kann. Nur 12 Treffer in 30 Jahren sind dokumentiert.

Der Frust der alternden «Berufsmilitärkampfjetstaffelkommandanten» im «Verstärkten Luftpolizeidienst», [noch ohne Feindkontakt!]:
«Aber wir können ja nicht einmal einen halben Monat durchhalten!»

Die Ueberraschung kommt aber erst zum Schluss: Auf 10 + ca 30 Seiten wird uns erklärt, warum die 6 Milliarden Fr jetzt, [plus schätzungsweise 1 Milliarde je Betriebsjahr], für 30 neue Kampfjets, im Falle erhöhter Spannungen, noch ohne Feindkontakt, nur ausreicht, um diese Flieger mit den Lenkwaffen und den «Berufsmilitärkampfjetpilot[inn]en» an Bord, nur 15 Tage durch den Schweizer Himmel zu fliegen. Dann ist fertig geflogen!!
Und wenn wir 40 neue Kampfjets bewilligen würden, [40 Milliarden Fr in 25 Jahren], könnten wir auf 30 Tage «Air-Show ohne Feinde», hoffen.

Das ist die «Schweizer Flugwaffe», wie sie von ihrem ersten Kdt 1992 konzipiert und realisiert wurde, und wie sie nun weitere 30 Jahre FUN haben und FAKE produzieren will:
Sie ist keine Waffe, hat nichts mit der schweren Aufgabe einer Armee und schon gar nichts mit Krieg zu tun: Sie ist nicht erzogen, nicht ausgebildet, nicht ausgerüstet, nicht organisiert und geführt, für den Fall einer Spannung oder eines Krieges um unser Land.