Warum muss Frau Amherd lügen ?

«Defence News 2021» :
Grounding der westlichen Flugwaffen.

Unsere Arbeitsgruppe Air 2030 hat den Bundesrat vor seinem Entscheid für den «bestgeeigneten und kostengünstigsten Kampfjet» noch mit diesem Brief gewarnt:

«Flugwaffen : Nomen est omen.»
Ja, wir wissen, «Flugwaffe» ist ein irreführender Name, aber er wurde nun einmal kreiert, vom dama­ligen Chef EMD und seinem Chef Flieger, die in ihrer Naivität wahrscheinlich heute noch glauben, Fliegen sei Verteidigen und Flieger seien Waffen. Diese Naivität vieler westlicher Verteidigungsminister hat zum grossen Grounding der westlichen Flugwaffen geführt.


Entwicklung und Inbetriebnahme neuer Kampfflugzeuge enden NIE, oder im Fiasko.

Wir haben vor genau 2 Jahren, an Sie, als neue Chefin VBS, eine Warnung geschickt, aus unserem Nachrichten-Raum , über die Probleme, welche die F-35, nach 25(!) Jahren Entwicklung, nun im Betrieb und Unterhalt, immer noch und immer mehr behinderten: 2019 waren von den ca 500 F-35 der USA nur 27% für Kampfeinsätze verfügbar. Der Rest stand auf Böcken und wartete auf Ersatzteile.
Die Verfügbarkeit ist heute nicht besser geworden; sehen Sie unten.

Dieser Tage endlich konnte die F-35 Projektleitung mitteilen, dass es erstmals gelungen sei, F-35 und F-22 Kampfflugzeuge mit den Aufklärern U-2 über ihr ‹Internet der Lüfte› real-time zu verbinden (=’5.Generation›). Raten wir mal, wann alle F-35 dazu ausgerüstet und getestet sein werden?!


Nun, die ‹Lage› mit der ungenügenden Verfügbarkeit hatten wir mit unseren F/A-18 ja mehrfach, oder permanent. Zum Glück ohne «Spannungen» am Himmel rund um die Schweiz, ausser ein «G7-Gipfel am Genfersee«, den die Franzosen ‹übernahmen›. Auch Ihr Vorgänger, Frau Bundesrätin, musste 2017, 20 Jahre plus 2 Milliarden Fr nach der sog «Uebernahme», nochmals 450 Millionen Fr beantragen, für Unterhalts- und Erneuerungs-Arbeiten an den 30 Fliegern, damit endlich der sog. «Luftpolizeidienst 24/7 bei Normaler Lage», mit 2 Fliegern gestartet werden könnte, 2021(?), nach 23 Jahren «Schönwetter 35-Stunden-Wochen».

Aber 1500 – 2000 Mannjahre Aufwand für solche Entwicklungs- oder Werterhaltungs-Arbeiten durch zertifizierte Spezialisten können in der Schweiz ja gar nicht mehr erbracht werden. Auch wenn die RUAG extra dazu noch 24 neue Stellen, auf dem Papier, schafft (woher die Leute?) und eine neue Werkstatt (für 40 Millionen Fr?) bauen lässt: Dieses Teilprojekt wird nach Adam-Riese in 30 Jahren noch ‹laufen›, mindestens in den Auftragsbüchern der RUAG. Und unsere F/A-18 werden immer noch nicht für einen «Luftpolizeidienst im Falle von erhöhten Spannungen», für 14 Tage(!), verfügbar sein.


Und wenn die Waffen-Leistungen teilweise erfüllt wurden, explodierten die Kosten:

Nun kommt am 22.04.21 das neueste Nachrichten-Update direkt aus dem US Senat:
Die Demokraten im Senat wollen das Projekt F-35 bremsen oder stoppen. “The F-35 is the most expensive program in the history of the Department of Defense, and the sustainment costs are expected to exceed $1.2 trillion over the life of the program.»
Ein paar Tage früher war im Kongress ‹verraten› worden: «Flying the F-35 currently costs $36,000 per hour, and it has a projected lifetime cost of $1.7 trillion.» In der Presse wurde ergänzt: «And even the relatively low $80 million-per-F-35 price tag is deceptive

Am 13.5.21 teilt Defence One mit, dass die US Air Force ihre 187 F-22 Raptors (statt ursprünglich geplanten 750 Fliegern) ausser Dienst stellen werden. Sie sind erst 12 Jahre alt, «But the F-22 has faced low mission capability rates, in part due to structural upgrades that often take multiple aircraft offline.» Hersteller und ‹Upgrader› der F-22, ist Lockheed Martin; ein auch uns bekannter Name?

«The F-22, built to dominate Soviet warplanes in air-to-air dogfights, has never shot down an enemy plane in combat. Instead, the plane made its combat debut over Syria in 2014.»
Die 370 Millionen $ teuren Stealth Fighters konnten nur gerade mal als Bomber eingesetzt werden, gegen die schlecht geschützte Bevölkerung des Islamischen Staats, und nur in der Nacht.

In Europa schreibt am 26.04.21 die Frankfurter Allgemeine über den «Streit um das Future Combat Air System», das 100 Milliarden-Projekt der Deutschen und Franzosen, über dessen Spezifikationen und Finanzierung man sich noch nicht einig sei; das aber in 5 Jahren eigentlich fliegen sollte.

Damit hätten auch wir Schweizer ein paar griffigere Leitzahlen als am 27.September 20 für die Zustimmung zu Ihrer Planung:
Ein nackter F-35 kostete im «deceptive» Angebot zwar nur 80 Millionen $, bei Ablieferung dann aber ca 47% mehr, also ca 120 Millionen $. Dazu kamen die sog System-Kosten von nochmals ca 80 Milli­onen $ pro gekauften Flieger: Total ca 200 Millionen $ pro Flieger; bei geplanten 2’500 Fliegern.
Betrieb und Unterhalt über die durchschnittlich 20 – 30 Jahre Einsatz werden nochmals ca 500 Millionen $ pro Flieger kosten.

Bei 40 F-35 für die Schweiz würde das heissen: Beschaffung mindestens 8 Milliarden $. >> Es wird also kein Geld mehr bleiben für «bodengestützte Luftverteidigung grösserer Reichweite». Plus, für Betrieb und Unterhalt, ca 1 Milliarde Fr pro Jahr = 20% des Armee-Budgets, nur für den sog «Luftpolizeidienst» dieser Flieger, im Frieden.
[Pro Memoria: Diese Zahlen sind gar nicht so überraschend, für unsere Flugwaffe: Die 30 F/A-18 haben ja auch mehr als 6 Milliarden Fr gekostet, bis einer, nach 27 Jahren endlich, erstmals eine Radar-Lenkwaffe abschiessen konnte.] 

Die gleichen Probleme haben alle anderen westlichen Länder, die ihre teuren 4th-Generation Kampf­flieger durch exorbitant teure 5th-Generation «Stealth Fighters» ersetzen wollen:  Alle Entwicklungen sind aus dem Ruder gelaufen und drohen, wie bei F-35 (und F-22), zu fallieren. Und wenn die US-Regierung nun das Programm stoppt und statt der geplanten 2500 Flieger nur 1700 einsetzen will, so werden die Lifecycle-Kosten nicht bei 700 Millionen $ pro Flieger bleiben (Preisbasis 2012), sondern gegen 1 Milliarde $ pro Flieger (in 2040) steigen. Ein neuer Wahnsinn!

Auch bei nur 30 F-35 für die Schweiz wird die Beschaffung nicht viel weniger kosten, ca 7 Milliarden, da System-Kosten im Total bleiben. Die benötigten Flugstunden, der ganze Aufwand im Betrieb und Unterhalt mit der dazu nötigen Infrastruktur, müssten dann einfach auf 30 Flieger verteilt werden.


Bleibt die grosse Frage: Kampfflugzeuge «What for?»

Ja, die europäischen Verteidigungs-Ministerinnen sind alle nicht zu beneiden: Ihre Vorgänger haben sich von «Möchtegern-Top-Gun-Kampfjetpiloten» überreden lassen, die «veralteten, nur in Air-Shows bewährten Kampfflugzeuge» der 4.Generation (zB F/A-18) und ihre Radar-Lenkwaffen, möglichst schnell durch modernste «Stealth Fighters» der 5.Generation (zB F-35) und noch «intelligentere und vernetztere» Luft-Luft- und Luft-Boden-Raketen zu ersetzen.

Aber weil diese Ministerinnen und ihre persönlichen Beraterinnen nie in militärischer Stabsarbeit ausgebildet worden sind, nie geübt und geführt haben, haben sie auch nie gelernt, die wichtigste Frage zu stellen, bei solchen ‹Vorschlägen der Spezialisten›: «What for?». Und sie getrauen sich nicht, die meist unbefriedigenden ‹Antworten der Spezialisten› zu quittieren mit: «So what!»

Auch Air Force Chief of Staff Gen. Charles Brown Jr. hat im Senat und zu Reportern solche unbefriedigende Antworten gegeben: «The F-35 is a Ferrari.» “You don’t drive your Ferrari to work every day, you only drive it on Sundays. This is our ‘high end’ [fighter], we want to make sure we don’t use it all for the low-end fight.” Und: “I want to moderate how much we’re using those aircrafts.”

Zeitgleich berichten US Defense News, F-35 seien viel zu teuer, um zB im Konflikt um Mainland China, oder die davor kreuzende Chinese Navy eingesetzt zu werden: Diese soll über neue Highspeed-Fliegerabwehr-Raketen verfügen, mit passiven, optischen Sensoren, und wird, gegen am Himmel angreifende Flieger mit Radar, immer den Vorteil der Ueberraschung nutzen können.

(Zur gleichen Zeit sickerte in der Presse durch, dass F-35 in Kalifornien hätten eingesetzt werden sollen, im furchteinflössenden Tiefflug gegen Anti-Corona Demonstrationen!!  Hat unsere EDMZ nicht noch uralte Reglemente «Fliegerabwehr aller Waffen», zur günstigen Abgabe an die NRA?)

Auch für uns Schweizer eine offene Frage:
Wofür und Wie können unsere «neuen Kampfflugzeuge» für «Luftverteidigung» und «Schutz des Landes» eingesetzt werden?

Die Älteren unter uns haben die Bombardierungen der Zivilbevölkerungen und Infrastrukturen hinter den Fronten im 2.Weltkrieg miterlebt, oder unsere Eltern haben uns davon berichtet: In Spanien, in Polen, in England, und dann in Deutschland, und ein paar wenige in der Schweiz. Nie konnten die verteidigenden Kampfflieger, verwickelt in ‹Dogfights› mit den begleitenden Kampffliegern der Angreifer, verhindern, dass deren Bomber ihre tödlichen Lasten bis tief ins Ziel hinein tragen konnten. Nur die Flak konnte wenige ausgewählte Objekte gegen allzu grosse Zerstörung bewahren und den Bombern den Anflug verwehren und Verluste beifügen. Der «strategische Luftkrieg» wurde zur jahrelangen Abnützungsschlacht, mit grauenvollen Verlusten unter der Zivilbevölkerung.

Nach dem 2. Weltkrieg, im Aufbau der grössten Milizarmee Europas, mit der «besten defensiven Luftverteigung der Welt» für die Schweiz, wurde deshalb die Fliegerabwehr ausgebaut, weiter entwickelt, mit Radar-Sensoren, Feuerleitgeräten, Schnellfeuer-Mehrfach-Kanonen, Mittel- und Langstrecken-Raketen. Sie wurde als wichtiger Teil in das Konzept der Abwehr eingebunden, organisiert, eingeübt und geführt.  http://www.rapport-zwo.ch/category/beschaffungen/fliegerabwehr/

Mit der «Flugwaffe der Abfangjäger F-5» wusste man in den Reglementen zur «Truppenführung» eigentlich nie so recht, was anzufangen. So kreierten findige Köpfe die «Wahrung der Lufthoheit» als Auftrag: ‹Herum-Fliegerei›, die aber spätestens «im Falle von Spannungen» eben doch mit Waffen hätte durchgesetzt werden müssen, nach allen Regeln der «Truppenführung»:

? Ueberraschung, nachdem man den anfliegenden Feind schon mehr als 5 Minuten mit dem eigenen Bord-Radar ‹beleuchtet› hat ?

? Kampfraum-Begrenzung («Hinterhang-Stellung»), im «open Sky» über allen Bergen, gegen die (grössere) Reichweite feindlicher Lenkwaffen ?

? Schwergewichtsbildung, mit 1 oder, falls überhaupt verfügbar, doch mit 2 Patrouillen ?

? Reserven für die Entscheidung, am Boden, in 15 Minuten in der Luft oder auf den Böcken ?

? Oekonomie der Kräfte, durch vorzeitige Abnützung der Flieger, vor dem 1.Schuss (in 14 Tagen «Verstärkter Luftpolizeidienst im Falle von erhöhten Spannungen») ?

«Alles vergessen ??  Nicht erfüllt !!»


Frau Bundesrätin Amherd,
bevor wir zu Ihrer Air 2030 gehen, mit neuen Kampfflugzeugen, müssen Sie uns «allen Menschen in der Schweiz» die Verfügbarkeit unserer jetzigen Flugwaffe der F/A-18 ‹versichern›, bitte ohne zu lügen:

Stimmt es, dass die neuen Radar-Lenkwaffen bis 2018 noch nicht operationell waren?

Im RP 1992 hatte der BR ‹versprochen›, es würden für 203 Mio Fr ca 400+ AIM-120 AMRAAM Radarlenkwaffen, ab 1997 einsatzbereit sein: ca 12+ je F/A-18: «Damit wird sichergestellt, dass die Schweiz die modernste und wirkungsvollste Lenkwaffe dieser Art erhält, welche über Jahr­zehnte einen hohen dissuasiven und taktischen Kampfwert aufweisen wird.»
Kaum konnten die Schweizer F/A-18 fliegen, und hatten noch keinen Schuss geschossen, wurden mit dem RP 2001, 2003 und 2004 für 780 Mio Fr, wichtige Kommunikations-SW und -HW «ersetzt»: Schon gelieferte Lenkwaffen waren dann offensichtlich nicht mehr kompatibel, mussten «ersetzt» und entsorgt werden!

2004 bestätigten Insider aus dem Unterhalt, dass 30 der 33 F/A-18 seit über einem Jahr auf den Böcken stehen, dass aber «sowieso die Lenkwaffen noch nicht vorhanden seien und auch die Bordkanone nicht eingesetzt werden könnte».

2009 (?) sollen die Kurzstrecken-Infrarot-Lenkwaffen AIM-9X Sidewinder geliefert worden sein. Bis dahin hatten die Flieger nur die «Notwehr-Kanone».

Im RP 2011 wurde nicht korrekt erklärt, warum die 1996 «modernste Lenkwaffe» schon ersetzt werden muss. Ab 2015 soll die neue Version «in minimaler Stückzahl» geliefert werden. (2016 verschiesst die Griechsiche Luftwaffe erstmals eine solche neue Version der Lenkwaffe.)

2018 wird die «Nachbeschaffung» der Radar-Lenkwaffen «abgeschlossen». Hochrangige Insider berichten, dass 2019 erstmals 1 Schweizer F/A-18 ausgerüstet 1 Drohne abgeschossen haben soll; 20 Jahre nach der Inbetriebnahme.

Frage 1 : Sind heute alle F/A-18 mit den neuen Radar-Lenkwaffen ausgerüstet? Oder wird es immer nur eine kleine Zahl sein?

Frage 2 : Wieviele F/A-18 sind heute einsatzbereit mit Radar-Lenkwaffen?
Wieviele ohne Radar-Lenkwaffen?
Wieviele sind in Wartung/Reparatur? Wieviele am Boden, vor Wartung/Reparatur?

Frage 3 : Ab wann sind wieviele F/A-18 repariert und aufgerüstet, verfügbar für den «Verstärkten Luftpolizeidienst bei erhöhten Spannungen», mit all ihren Radar-Lenkwaffen?

Frage 4 : Höchstrangige Insider berichten, dass die Kontrolle über die Flugzeuge, die Radar-Lenkwaffen und die Kommunikation bei den Amerikanern sei !! Können Sie uns ‹versichern›, dass dies NICHT so ist und dass Sie zB auch den Einsatz gegen ein (NATO-) Flugobjekt befehlen könnten, das unseren gesperrten «Luftraum missbräuchlich nutzt»?

Hochachtungsvoll,

Arbeitsgruppe Air 2030, 09.06.21 / 12.07.21

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